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Olympia 2008     奥运会  [àoyùnhuì]


 


 

Die Olympischen Spiele 2008 in Peking - eine Herausforderung für China

 

"Vogelnest" in Peking

 

Als die Olympischen Spiele im Jahr 2001 an China vergeben wurden, war das Land der Mitte aus dem Häuschen. Durch die Ausrichtung der Spiele konnte China einmal mehr zeigen, dass die Weltmacht zurückgekehrt ist. Die Chinesen sind stolz auf das, was sie erreicht haben und möchten dies nun auch demonstrieren. Wenn man sich vor Augen führt, wie sich dieses Land in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, muss man eingestehen, dass die Chinesen zu Recht stolz sein können. Den mit Fahnen bestückten und "jia you" schreienden Chinesen stehen jedoch natürlich unzählige Kritiker gegenüber, die ebenfalls zu Recht über all die Dinge klagen, die China bis heute noch nicht in den Griff bekommen hat. Und auch immer mehr Chinesen trauen sich, über das zu klagen, was sie als Unrecht empfinden. Menschenrechte, Landenteignung, Tibet, Pressefreiheit, die Liste ist lang.

Für China ist all diese eine große Herausforderung. Im Gegensatz zu den perfekt funktionierenden Trommlern der Eröffnungsfeier lassen sich Demonstranten und kritische Stimmen nicht so leicht steuern und kontrollieren. Doch auch mit diesen unvorhersehbaren Dingen muss China nun umgehen. Natürlich tun die Verantwortlichen dies so, wie es in einem 1,3 Millarden Reich am einfachsten ist - sofort unterdrücken, möglichst ohne viel Aufsehen, Kontrolle behalten. Kontrolle heißt das Zauberwort. Und für die Chinesen ist diese Kontrolle, die Steuerung von oben, nichts Ungewöhnliches. Die konfuzianisch geprägte Gesellschaft in China ist hierarchisch aufgebaut, jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft. Diejenigen, die oben in der Hierarchie stehen, haben das Sagen. Gleichzeitig sind diese aber auch dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es dem Volk gut geht. All dies ist noch immer in den Köpfen der Chinesen.

Wie ist das bei uns? Könnten wir in Deutschland ganz ohne Widerrede fast 1000 Soldaten dazu bringen, sich für 7 Stunden in einem Pappkarton zu verstecken, damit sie während der Eröffnungsfeier durch auf und ab Hüpfen das Wort "Harmonie" formen und dabei angeblich noch Windeln tragen? Wohl kaum. In China geht das. Befehle von oben werden befolgt, eine Streitkultur wie bei uns, wo jeder seine Meinung offen sagen kann, ist nicht wirklich vorhanden. Auch das lässt sich wiederum auf das hierarchische Denken zurückführen.

Kurzum: China ist anders. Aber es gibt nicht nur Schlechtes zu berichten. Die Chinesen finden es spannend, während den Spielen auf Menschen aus der ganzen Welt - auf "laowais" - zu treffen. Auch wenn der Taxifahrer in Peking trotz aller Bemühungen der Regierung kein Wort Englisch spricht, er wird trotzdem alles tun, um Sie ans Ziel zu bringen (auch wenn er selbst nicht wirklich weiß, wo das genau sein soll). Für uns mag es komisch erscheinen, dass an jeder Ecke freiwillige Helfer stehen, obwohl man gar nicht an jeder Ecke Hilfe benötigt. Doch diese Menschen sind stolz darauf, ein Teil von Olympia in ihrem Land zu sein.

China ist nicht der Westen, China denkt nicht wie der Westen. Dies wird natürlich genau dann deutlich, wenn China und der Westen aufeinandertreffen - beispielsweise bei den Olympischen Spielen. Natürlich gibt es unzählige Dinge, die in China anders laufen und auch zu verurteilen sind. Doch es bringt nichts, sich die Brille des Westens aufzusetzen und alles zu kritisieren, was nach westlichen Maßstäben nicht korrekt ist. Vielmehr sollte man versuchen, sich auch mal die chinesische Brille auszuleihen, um zu sehen, wie die Welt durch deren Gläser aussieht. Man kann die Menschenrechtslage in China kritisieren. Man sollte verurteilen, dass Menschen weggesperrt werden, weil sie eine andere (eigene) Meinung haben. Doch man sollte das Thema auch von beiden Seiten betrachten, um zu verstehen, dass die Chinesen aufgrund ihrer kulturellen und gesellschaftlichen Prägung ein anderes Verständnis dafür haben, welche Rechte dem Individuum zugestanden werden.

Für China sind die Olympischen Spiele und die damit verbundene Aufmerksamkeit eine Herausforderung. Das Land ist sich durchaus bewusst, dass es in vielen Bereichen noch Verbesserungsbedarf gibt. Nun wird es damit konfrontiert, dass die ganze Welt das Unternehmen China kritisiert. Natürlich hat man das auch in China vorausgesehen, doch auf so viel Gegenwind war wohl auch die chinesische Regierung nicht gefasst. Sie steht nun vor der Aufgabe, mit all dieser unkontrollierbaren Aufmerksamkeit umzugehen. Für China ist das eine Lernaufgabe. Auch wenn ausländische Medien noch so viel Kritik üben, China wird sich nicht innerhalb von kurzer Zeit zur Demokratie entwickeln, in der alles so läuft, wie der Westen sich das vorstellt. Dies wird noch einige Zeit und weitere Lernaufgaben in Anspruch nehmen.