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Wirtschaft und Demokratisierung

 

 

China und die Zebras - eine kleine Geschichte zum besseren Verständnis Chinas

 

Um die Reformen und Entwicklungen in China besser zu verstehen, lesen Sie die folgende Geschichte eines chinesischen Ökonomen.

 

Die Bewohner eines chinesischen Dorfes nutzen für all ihre anfallenden Arbeiten ihre Pferde. Sie schwören auf die gute Arbeit, die diese Tiere verrichten und lassen sich auch nicht vom Gegenteil überzeugen. Auch die Dorfvorsteher betonen stets die Wichtigkeit der Pferde für die positive Entwicklung des Dorfes. Nach einiger Zeit dringt jedoch die Nachricht zu ihnen durch, dass das Nachbardorf nun nicht mehr Pferde als Arbeitstiere nutzt, sondern Zebras. Zudem heißt es, dass diese gestreiften Tiere um einiges besser seien und das Dorf seit einiger Zeit eine unglaubliche Entwicklung mache, auch der Reichtum des Dorfes sei durch die Umstellung auf die Zebras enorm angewachsen. Die Dorfvorsteher überzeugen sich bei einem Besuch im Nachbardorf persönlich davon und sind überrascht. Diese Zebras scheinen wirklich eine positive Auswirkung auf das Dorf zu haben. Gleichzeitig wissen die Dorfobersten jedoch, dass ihre Propaganda für die Pferde in den letzten Jahren so überzeugend war, dass die Dorfbewohner niemals freiwillig auf Zebras umsteigen würden. 

 

Keinesfalls wollen sie sich vom Nachbardorf abhängen lassen und als rückständig gelten. Sie müssen also einen Weg finden, um die Arbeit im Dorf zu reformieren und auf Zebras umzusatteln. Heimlich schleichen sie sich nachts in die Ställe und malen den Pferden Streifen auf, eins nach dem anderen, so dass die Veränderung nicht allzu stark wahrgenommen wird. Den verwunderten Dorfbewohnern bestätigen sie, dass es sich natürlich weiterhin um ihre Pferde handele und dort nicht etwa Zebras im Stall stünden. Die Pferde hätten lediglich ein paar Streifen bekommen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Bewohner an den Anblick der gestreiften Tiere. Nach ausreichender Anpassungsphase gehen die Dorfvorsteher in die nächste Phase der Reform über und tauschen die Pferde heimlich gegen echte Zebras aus. Die Dorfbewohner merken davon nichts. Allerdings entgeht ihnen nicht, dass es dem Dorf plötzlich zunehmend besser geht, die Wirtschaft floriert, alle sind sehr zufrieden. Auch die Dorfvorsteher sind sehr zufrieden mit ihrer Reform und erfreuen sich am Wachstum und der Zufriedenheit der Dorfbewohner. 

Erst Jahre später, als bereits alle krätig vom Wachstum profitieren, erklären die Dorfvorsteher, dass Pferde der Vergangenheit angehören und in den Zebras die Zukunft liegt. 

 

 

 

Aus dem Buch "What does China think?" von Mark Leonard